- Dr.-Ing. Bastian Gaedike
- 8. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Wann lohnt sich 3D-Druck?
von Dr.-Ing. Bastian Gaedike, Malping GmbH, #MATERIALPINGUIN
Das Wichtigste in 30 Sekunden
PEEK lässt sich sowohl CNC-fräsen als auch im 3D-Druck verarbeiten – beide Wege haben ihre Berechtigung.
CNC ist stark bei engen Toleranzen und glatten Oberflächen.
3D-Druck gewinnt bei komplexen Geometrien, kurzen Durchlaufzeiten und Materialeffizienz.
Die Entscheidung hängt von Geometrie, Stückzahl, Toleranz und Budget ab.
Malping GmbH beherrscht beide Verfahren und berät Sie neutral.

Einleitung
PEEK (Polyetheretherketon) gehört zu den leistungsstärksten Hochleistungskunststoffen der Welt. Es widersteht Temperaturen bis 250 °C im Dauerbetrieb, ist chemikalienbeständig, biokompatibel und dabei erheblich leichter als Metall. Kein Wunder, dass es in der Chemie-, Medizintechnik-, Luft- und Raumfahrt- sowie Maschinenbaubranche so gefragt ist.
Wer ein PEEK-Bauteil fertigen lassen möchte, steht vor einer grundlegenden Frage: CNC-Fräsen oder 3D-Druck? Beide Verfahren können PEEK verarbeiten – aber sie unterscheiden sich erheblich in ihren Stärken. Dieser Artikel gibt Ihnen einen ehrlichen, praxisnahen Vergleich.
Die zwei Verfahren kurz erklärt
CNC-Fräsen von PEEK
Beim CNC-Fräsen wird aus einem PEEK-Halbzeug (Stab, Platte) Material herausgefräst. Das Werkzeug folgt einem computergesteuerten Pfad und "subtrahiert" Material, bis das gewünschte Bauteil entstanden ist. Das Ergebnis: sehr hohe Maßgenauigkeit, glatte Oberflächen, vollständig isotrop. Das heißt, das Bauteil hat in alle Richtungen gleiche mechanische Eigenschaften, weil es aus einem homogenen Rohmaterial stammt.
Herausforderung: Komplexe Innengeometrien, Hinterschneidungen oder interne Kanäle sind nur schwer oder gar nicht realisierbar. Außerdem entsteht Materialabtrag, bei teuren PEEK-Rohlingen sehr schmerzhaft.
PEEK 3D-Druck (FFF / FGF)
Im 3D-Druck (FFF = Fused Filament Fabrication oder FGF = Fused Granulate Fabrication) wird PEEK schichtweise aufgetragen. Ein Druckkopf erhitzt das Material auf über 400 °C und baut das Bauteil von unten nach oben auf. Das Ergebnis: maximale Gestaltungsfreiheit, minimaler Materialverbrauch, kurze Vorlaufzeiten.
Herausforderung: Die Schichtstruktur führt zu anisotropen Eigenschaften (unterschiedliche Festigkeit je nach Richtung) und etwas raueren Oberflächen. Enge Toleranzen unter 0,05 mm erfordern eine CNC-Nachbearbeitung.
Die Malping GmbH setzt für den PEEK-3D-Druck u. a. den ExAM 510 von AIM3D ein – ein FGF-Granulatdrucker, der direkt mit PEEK-Granulat arbeitet und damit Material- und Prozesskosten deutlich senkt.
Der direkte Vergleich
Kriterium | CNC-Fräsen | PEEK 3D-Druck |
Geometrie | Komplex möglich, aber aufwändiger | Komplexe Geometrien problemlos |
Werkzeugkosten | Hoch (Fräser, Aufspannung) | Keine Werkzeugkosten |
Maßtoleranz | ±0,02 mm typisch | ±0,1–0,3 mm typisch |
Oberfläche | Sehr glatt (Ra < 1 µm) | Schichttextur sichtbar |
Stückzahl | Ab 1 Stück wirtschaftlich | Ab 1 Stück wirtschaftlich |
Materialausnutzung | Spanend, hoher Abtrag | Additiv, kaum Verschnitt |
Vorlaufzeit | 1–3 Tage | 1–2 Tage |
Innere Strukturen | Nicht möglich | Möglich (Gitter, Kanäle) |
Wann welches Verfahren?
CNC ist besser wenn ... | 3D-Druck ist besser wenn ... |
Sehr enge Toleranzen (< 0,05 mm) | Komplexe Innengeometrien / Kanäle |
Glatte Dichtflächen nötig | Leichtbau durch Gitterstrukturen |
Kleine Details (< 1 mm) | Einzelstücke / Prototypen schnell |
Nacharbeit auf Maß nötig | Design-Iterationen kostengünstig |
Hohes Stückvolumen mit Toleranz | Material sparen bei teuren PEEK-Rohlingen |
Mein Tipp: Viele Bauteile profitieren von einer Kombination – 3D-Druck für die Grundform, CNC-Nachbearbeitung für kritische Passungen und Dichtflächen. Malping GmbH bietet genau diesen hybriden Ansatz.
3 Praxisbeispiele aus dem Maschinenalltag
1. Chemie- & Prozessindustrie: Pumpengehäusedeckel
Aufgabe: Ein Deckel für eine Chemiepumpe muss aus PEEK sein: aggressive Medien, 180 °C Einsatztemperatur, Druckdichtheit.
• CNC-Fräsen wäre die klassische Wahl: eng toleriert, dichte Oberfläche.
• Im konkreten Fall half 3D-Druck: integrierter Strömungskanal innen, weniger Teile, schnellere Verfügbarkeit.
• Ergebnis: 10 Tage statt 6 Wochen Lieferzeit, 40 % weniger Kosten.
2. Medizintechnik: Instrumentenhalterung im Sterilisationsbereich
Aufgabe: Halterung für chirurgische Instrumente, autoklavierbar, maßgenaue Passungen.
• Hier war CNC die richtige Wahl: Toleranz ±0,02 mm gefordert, Oberfläche Ra < 0,8 µm.
• Die Geometrie war einfach genug, um wirtschaftlich gefräst zu werden.
• Ergebnis: Norm-konforme Teile, wirtschaftlich ab Stückzahl 5.
3. Maschinen- & Anlagenbau: Führungselement mit Leichtbau-Gitter
Aufgabe: Führungselement für einen Linearantrieb – PEEK wegen Abriebfestigkeit, aber möglichst leicht.
• 3D-Druck mit internem Gitter: gleiche Tragfähigkeit, 35 % weniger Gewicht.
• CNC wäre hier gar nicht möglich gewesen (Innenstruktur).
• Ergebnis: Funktionsintegration, die mit klassischer Zerspanung nicht erreichbar war.
Häufige Fragen
Ist PEEK 3D-Druck so gut wie gefrästes PEEK?
Mechanisch: fast. In Z-Richtung (senkrecht zu den Schichten) ist die Festigkeit geringer. Für viele Anwendungen ist das kein Problem – bei Zug- und Druckbelastungen in der Ebene sind die Werte sehr gut. Fragen Sie uns nach einer belastungsgerechten Druckorientierung.
Welche Toleranzen erreicht der PEEK 3D-Druck?
Typisch ±0,1–0,2 mm. Mit CNC-Nachbearbeitung kritischer Flächen: ±0,02 mm und besser. Für die meisten Gehäuse, Halterungen und Funktionsbauteile ist das absolut ausreichend.
Ab welcher Stückzahl lohnt CNC mehr als 3D-Druck?
Das lässt sich pauschal nicht sagen – es hängt stark von der Geometrie ab. Einfache Drehteile sind oft ab Stückzahl 10 mit CNC günstiger. Komplexe Geometrien mit Hinterschneidungen bleiben im 3D-Druck wirtschaftlicher, unabhängig von der Stückzahl. Sprechen Sie uns an – wir rechnen beides durch.
Fazit
Es gibt kein universell "besseres" Verfahren. CNC-Fräsen und PEEK-3D-Druck sind Werkzeuge – und wie jedes Werkzeug entfalten sie ihr Potenzial nur im richtigen Einsatz. Als Materialpinguine – exotisch, aber hochgradig angepasst – kennen wir beide Welten und helfen Ihnen, die richtige Entscheidung zu treffen.
Ihr Bauteil verdient das richtige Verfahren. Nicht das nächstbeste.
Kostenloses Erstgespräch Sie haben ein PEEK-Bauteil in der Planung? Wir analysieren Ihre Anforderungen und empfehlen das passende Fertigungsverfahren – ohne Verkaufsdruck. Kontakt: info@malping.de | www.malping.de | #MATERIALPINGUIN |
Autor Dr.-Ing. Bastian Gaedike Gründer & Geschäftsführer, Malping GmbH Neuhausen auf den Fildern | malping.de | #MATERIALPINGUIN |


