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PEEK 3D-Druck Guide
Eigenschaften, Verfahren & Kosten im Überblick

Hier beantworteten wir Ihnen häufig gestellte Fragen zum 3D-Druck von PEEK.

Was ist PEEK?

PEEK (Polyetheretherketon) ist ein farbloses, organisches, thermoplastisches Polymer, das sich im 3D-Druck nur schwer verarbeiten lässt. Seit Jahren nutzen Hersteller von 3D-Druckern PEEK in ihren Marketingkampagnen als Aushängeschild. Dabei bleiben die tatsächlichen Druckergebnisse oft weit hinter den Erwartungen zurück.

Was macht PEEK für industrielle Anwendungen so besonders?

PEEK bietet eine einzigartige Kombination aus hoher mechanischer Festigkeit, chemischer Beständigkeit und Temperaturbeständigkeit bis über 250°C. Zudem ist es biokompatibel und inhärent flammwidrig, was es zum idealen Metallersatz macht.

Kann man PEEK 3D-drucken?

Reines PEEK lässt sich im 3D-Druck nur über das Strangablegeverfahren mittels Filament (FFF/FDM) oder Granulat (FGF) realisieren. Für den Pulverdruck (z.B. SLS) ist es ungeeignet, da der Laser nicht in das Material einkoppeln kann. Für SLS-Maschinen gibt es stark veränderte Materialien, die PEEK im Namen tragen, aber beispielsweise bei der Hitzebeständigkeit mit dem Namensgeber überhaupt nicht zu vergleichen sind. Wir bieten die additive Fertigung von PEEK mittels FFF/FDM bzw. FGF an. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite PEEK nach Zeichnung.

Ist 3D-gedrucktes PEEK genauso stark wie spritzgegossenes?

Moderne Druckverfahren erreichen über 95 % der Festigkeit von Spritzgussteilen, insbesondere bei optimierter Schichthaftung. Die Z-Achse bleibt meist die Schwachstelle, kann aber durch gezieltes Prozessmanagement (Bauraumtemperatur) verbessert werden.

Wie maßhaltig sind PEEK-Druckteile?

Aufgrund der hohen Schrumpfungsrate beim Abkühlen erfordert PEEK viel Erfahrung in der Druckvorbereitung (Skalierungsfaktoren). Bei optimierten Prozessen sind Toleranzen im Bereich von +/- 0,1 mm realisierbar.

Warum ist PEEK so teuer?

Durch die hohen Verarbeitungstemperaturen gestaltet sich die Formgebung sehr schwierig und dementsprechend kostspielig. So muss aus dem Ausgangsmaterial erst Granulat und im zweiten Schritt Filament (Kunststoffdraht) hergestellt werden. So steigen die Kosten mit jedem Verfahrensschritt an. Hinzu kommt die geringe Weltproduktion im Vergleich zu anderen Kunststoffen, die den Preis enorm vom Bedarf abhängig macht.

Großvolumige PEEK-Teile lassen sich mit dem FGF-Granulatdruck wirtschaftlich fertigen. Mehr dazu auf unsere Seite zum Thema FGF.

Welche Voraussetzungen gelten für den 3D-Druck von PEEK?

Grundsätzlich gelten die gleichen Voraussetzungen wie für andere Kunststoffe im 3D-Druck mit FDM (FFF, mit Filament) oder FGF (mit Granulat). Der Lagenaufbau erzwingt das Abstützen von Hinterschneidungen und steilen Überhängen. Diese lassen sich durch eine clevere Konstruktion (z.B. Überhänge bis 45° Steigung) reduzieren.

Die Verarbeitung erfolgt auf speziell darauf abgestimmten Maschinen. Hohe Temperaturen am Extruder, Druckbett und Druckkammer sowie eine darauf zugeschnittene Software müssen zusammenpassen. Bis dato gibt es keine Turn-Key-Lösungen in diesem Segment.

Welche Hardware-Voraussetzungen sind für den 3D-Druck von PEEK nötig?

Man benötigt einen Drucker mit einem High-Temperature-Extruder (bis 500°C), einem beheizten Druckbett (idealerweise 200°C) und vor allem einem aktiv beheizten Bauraum (mind. 90-120°C). Ohne diese konstante Hitze kommt es zu Verzug (Warping) und mangelnder Schichthaftung.

Warum ist die Kristallinität beim PEEK-3D-Druck so wichtig?

Die Kristallinität bestimmt die mechanischen Eigenschaften; ein zu schnelles Abkühlen führt zu amorphem (durchsichtig-braunem) PEEK, das schwächer ist. Ein kontrollierter Thermo-Prozess sorgt für die typische beige, teilkristalline Struktur mit maximaler Stabilität.

Wie stabil ist PEEK?

PEEK ist der einzige Thermoplast, der auch bei Temperaturen bis 250 °C formstabil bleibt. Zudem verfügt er über eine hohe Verschleißfestigkeit, weshalb er gerade für Verschleißteile eine gute Alternative zu metallischen Werkstoffen bildet.

Ist PEEK elektrisch isolierend oder leitfähig?

Reines PEEK ist ein hervorragender elektrischer Isolator. Es gibt jedoch spezielle Compounds mit Kohlenstofffasern oder Graphit, die für ESD-Schutz oder elektrische Leitfähigkeit modifiziert wurden. Glasfaserverstärktes PEEK ist ebenfalls ein hervorragender elektrischer Isolator und somit eine leichter zu verarbeitende Alternative zum reinen PEEK.

Was sind die Nachteile von PEEK?

Der Hauptnachteil von PEEK besteht in der Komplexität und den hohen Kosten der Herstellung sowie der mangelnden Thermoformbarkeit .

Wie viel kostet PEEK?

PEEK kostet als Grundstoff (Granulat) zwischen 50 und 120€/kg. Als Filament (Kunststoffdraht) liegt der Preis bei etwa 500€/kg. Diese Preise sind immer vom Hersteller und dem jeweiligen Materialrezept abhängig.

Wie gut lässt sich PEEK mechanisch nachbearbeiten?

Gedrucktes PEEK lässt sich hervorragend fräsen, bohren oder drehen, ähnlich wie Hartmetalle oder sehr harter Kunststoff. Es ist deutlich formstabiler bei der Bearbeitung als beispielsweise PA6 oder POM.

Kann man 3D-gedruckte PEEK-Bauteile glätten?

Chemische Glättungsverfahren funktionieren bei PEEK aufgrund der extremen Beständigkeit derzeit nicht im industriellen Maßstab. Oberflächenverbesserungen werden meist mechanisch durch Schleifen, Strahlen oder Polieren erreicht.

Kann man PEEK kleben?

PEEK lässt sich sowohl mit als auch ohne Faseranteil ohne Probleme kleben. Hierfür kommt ein 2-Komponenten-Gemisch zum Einsatz, dass innerhalb von 24 Stunden durchhärtet.

Gibt es Alternativen zu PEEK?

PEEK ist aufgrund der Eigenschaften der König der Kunststoffe und dementsprechend kostspielig. Wenn ihre Anwendungen technisch andere Kunststoffe nicht ausschließt, ist PEEK nicht konkurrenzfähig. Oft wird Ultem als Alternative genannt. Eine Einordnung dazu finden Sie auf unserer PEEK vs. Ultem Vergleichsseite.

Kann 3D-gedrucktes PEEK im Vakuum (z.B. Raumfahrt) eingesetzt werden?

Ja, PEEK weist eine extrem niedrige Ausgasungsrate auf und ist daher ideal für Anwendungen in der Weltraumtechnik oder Halbleiterfertigung geeignet. Das gilt auch für additiv gefertigte PEEK-Bauteile.

Wie chemikalienbeständig ist PEEK?

PEEK ist gegen beinahe alle organischen und anorganischen Chemikalien und gegen Hydrolyse beständig. 

Eignet sich PEEK für Lager und Gleitteile?

Ja, PEEK eignet sich hervorragend für tribologisch beanspruchte Teile wie Lager und Gleitlager.

Wo wird PEEK eingesetzt?

PEEK wird in speziellen Anwendungen benötigt, wenn die Einsatztemperatur zwischen 200 und 250 °C, die chemische oder mechanische Belastung hoch und/oder kein Metall eingesetzt werden kann. Zudem wird es in der Medizintechnik aufgrund der Biokompatibilität von Instrumenten bis hin zu Implantaten eingesetzt.

Wie verhält sich PEEK im Brandfall?

PEEK ist von Natur aus flammwidrig. Es benötigt keine flammhemmenden Zusätze und ist halogenfrei. Ungefülltes PEEK erreicht bei einer Prüfdicke von 1,5 mm die Brandschutzklasse UL 94 V-0, während glas- und kohlefaserverstärkte Varianten diese Einstufung bereits bei einer Dicke von nur 0,5 mm erzielen. Der Sauerstoffindex liegt bei 35–37 % (ASTM D2863): In normaler Luft mit einem Sauerstoffgehalt von etwa 21 % brennt PEEK nach Entfernen der Zündquelle nicht selbstständig weiter. Die thermische Zersetzung setzt erst oberhalb von 550 °C ein. Beim Glühdrahttest entzündet sich PEEK zwar bei 960 °C, erlischt jedoch von selbst, sobald der Draht entfernt wird. Die Emissionen von Rauch und Verbrennungsgasen sind minimal: Die Hauptprodukte sind Kohlendioxid und Kohlenmonoxid, wobei die gemessenen CO-Werte etwa zwei Größenordnungen unter den in Luftfahrtnormen festgelegten Grenzwerten liegen. Faserverstärkte Varianten schneiden noch besser ab – sie weisen einen Sauerstoffindex von rund 45 % auf, und die freigesetzte Wärmemenge ist deutlich geringer als bei ungefülltem PEEK.

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