PPA-CF & PPA-GF im 3D-Druck
unsere Werkstoffe PPA-CF25 und PPA-GF15

Polyphthalamid (PPA) schließt die Lücke, in der die meisten anderen Materialien an ihre Grenzen stoßen: Es ist leistungsfähiger als PA12-CF und PC-CF, aber kostengünstiger als PPS und PEEK. Getemperte PPA-Bauteile bleiben bis zu Temperaturen von fast 200 °C formstabil – und das zu einem Bruchteil der Kosten von PEEK.
Wir fertigen zwei PPA-Materialien im FFF-Verfahren: PPA-CF25 mit einem Kohlefaseranteil von 25 % und PPA-GF15 mit einem Glasfaseranteil von 15 %. Beide Materialien sind für Einzelteile, Funktionsprototypen oder Serien erhältlich. Auf dieser Seite finden Sie das vollständige Datenblatt, eine Entscheidungshilfe zur Materialwahl sowie eine ehrliche Einschätzung dazu, wo die Grenzen des Materials liegen.
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Unser PPA-Portfolio auf einen Blick
Merkmal | PPA-CF25 | PPA-GF15 |
|---|---|---|
Matrix | Polyphthalamid (PPA) | Polyphthalamid (PPA) |
Verstärkung | 25 % Carbonfaser | 15 % Glasfaser |
Filamentaufbau | Kern-Mantel: faserverstärkter Kern, faserfreier Mantel | homogen faserverstärkt |
Farbe | Schwarz | Schwarz oder Weiß |
Dichte | 1,23 g/cm³ | 1,27 g/cm³ |
Elektrisch | ableitfähig — kein Isolator | isolierend |
Stärke | maximale Steifigkeit und Wärmeformbeständigkeit | Isolation, Zähigkeit, geringe Richtungsabhängigkeit |
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Alle Eigenschaften von PPA-CF/GF auf einem Blick.
Was ist PPA und warum heißt es überall anders?
PPA ist die Abkürzung für Polyphthalamid, ein teilaromatisches Polyamid, das aus aliphatischen Diaminen und aromatischen Dicarbonsäuren – vorwiegend Terephthal- und Isophthalsäure – hergestellt wird. Die aromatischen Ringe versteifen die Polymerkette, was zu einer höheren Glasübergangstemperatur, einem höheren Schmelzpunkt und einer deutlich geringeren Wasseraufnahme im Vergleich zu PA6 oder PA66 führt.
In der Praxis ist die Vielfalt der Bezeichnungen wichtiger als die chemische Zusammensetzung. Je nach Hersteller, Branche und Zeichnungsvorgaben wird dasselbe Material unter mindestens fünf verschiedenen Namen vertrieben:
Bezeichnung | Bedeutung / Herkunft |
|---|---|
PPA | Polyphthalamid, die gebräuchliche Werkstoffabkürzung |
PAHT | „High Temperature Nylon“, vor allem im englischsprachigen Raum verbreitet |
PA6T/66, PA6T/6I, PA10T | Präzise Nomenklatur nach Comonomeren, so steht es meist auf technischen Zeichnungen |
Amodel, Grivory HT, Ultramid Advanced, Zytel HTN, Vestamid Htplus | Handelsnamen der Compoundeure (Syensqo, EMS-Grivory, BASF, DuPont, Evonik) für spritzgussfähige PPA-Typen |
Was das für Sie bedeutet: Wenn auf Ihrer Zeichnung „PA6T/66-GF30“ oder „PAHT-CF“ steht, ist damit dieselbe Materialfamilie gemeint. Übermitteln Sie uns die Anforderungen und nicht den Handelsnamen: Dauergebrauchstemperatur, Lastfall, Medienkontakt. Ein Filament-Compound ist niemals identisch mit einer Spritzguss-Type gleichen Namens.
PPA-CF25 oder PPA-GF15: Die Faser entscheidet
Die PPA-Matrix ist bei beiden identisch. Die Faser verändert die Mechanik, das elektrische Verhalten, die Farbe und die Richtungsabhängigkeit.
PPA-CF25 — 25 % Carbonfaser im Kern-Mantel-Aufbau
PPA-CF25 setzt auf ein ungewöhnliches Filamentkonzept: 25 % Kohlenstofffasern sind in einem Kern konzentriert, der von einer faserfreien PPA-Hülle umgeben ist. Dies löst gleich zwei Probleme: Der Kontakt der Fasern mit der Düsenwand wird verringert, was den Verschleiß minimiert. Zudem trifft beim Schichtaufbau Hülle auf Hülle – reines PPA auf reines PPA –, wodurch die Z-Haftung verbessert wird; diese gilt bei faserverstärkten Filamenten klassischerweise als Schwachstelle.
Das Ergebnis ist das steifste und hitzebeständigste Material in unserem PPA-Sortiment, mit einem Elastizitätsmodul von 10.220 MPa und einer Wärmeformbeständigkeit von 199 °C. Der Kompromiss: eine Bruchdehnung von 1,6 % im ausgehärteten Zustand – das Bauteil verzeiht Überlastungen nur bedingt.
Wichtig für die Elektronik: Kohlenstofffasergefüllte Compounds sind nicht elektrisch isolierend, sondern weisen elektrische Leitfähigkeit sowie antistatische Eigenschaften auf. Dies ist zwar im Hinblick auf ESD-Eigenschaften vorteilhaft, doch eignet sich PPA-CF25 nicht als Isolator.
PPA-GF15 — 15 % Glasfaser, isolierend und richtungsstabil
PPA-GF15 erreicht nicht die Steifigkeit von PPA-CF25, verfügt aber über drei Eigenschaften, die es für bestimmte Anwendungen zu einem besseren Material machen: Es ist elektrisch isolierend, in Weiß erhältlich und weist eine ungewöhnlich geringe Richtwirkung auf. Das Zugfestigkeitsverhältnis von XY zu Z beträgt 1,4:1 – ein sehr guter Wert für ein FFF-Bauteil.
Auswahlmatrix PPA-CF25 gegen PPA-GF15
Kriterium | PPA-CF25 | PPA-GF15 |
|---|---|---|
Steifigkeit (E-Modul, getempert) | 10.220 Mpa, sehr hoch | 6.000 Mpa, hoch |
Zugfestigkeit (getempert) | 121 MPa | 94 MPa |
Wärmeformbeständigkeit (HDT B) | 199 °C | 185 °C |
Zähigkeit (Charpy, getempert) | 7,3 kJ/m² | 7,1 kJ/m², praktisch gleich |
Richtungsabhängigkeit XY zu Z | nicht im Datenblatt ausgewiesen | 1,4:1, sehr günstig |
Elektrisch | ableitfähig, kein Isolator | isolierend |
Farbe | Schwarz | Schwarz oder Weiß |
Gewicht | leichter (1,23 g/cm³) | schwerer (1,27 g/cm³) |
Wasseraufnahme | 1,09% | 1,37% |
Empfehlung für | steife Halterungen und Strukturteile, heißeste Einsatzfälle, ESD-Vorrichtungen, Leichtbau | Steckergehäuse und Isolierteile, mehrachsig belastete Bauteile, helle Optik |
Kennwerte von PPA-CF und PPA-GF
Alle Werte stammen aus den Datenblättern der von uns verwendeten Werkstoffe. Wir geben sowohl den unbehandelten als auch den getemperten Zustand an, da der Unterschied im Vergleich zu PPA erheblich ist und die meisten Materialübersichten nur einen der beiden Werte ausweisen (meist den günstigeren).
Mechanische Kennwerte
Kennwert | PPA-CF25 unbehandelt | PPA-CF25 getempert | PPA-GF15 unbehandelt | PPA-GF15 getempert |
|---|---|---|---|---|
Zugfestigkeit XY (ASTM D638) | 112 MPa | 121 MPa | 89 MPa | 94 MPa |
E-Modul XY (ASTM D638) | 9.300 MPa | 10.220 MPa | 5.700 MPa | 6.000 MPa |
Bruchdehnung XY (ASTM D638) | 2,25% | 1,60% | 2,70% | 2,20% |
Biegefestigkeit (ISO 178) | 178 MPa | 185 MPa | 141 MPa | 148 MPa |
Biegemodul (ISO 178) | 8.700 MPa | 9.510 MPa | 4.200 MPa | 5.000 MPa |
Charpy-Schlagzähigkeit (ISO 179) | 13,1 kJ/m² | 7,3 kJ/m² | 12,2 kJ/m² | 7,1 kJ/m² |
Wasseraufnahme (ISO 62) | 1,09% | 1,09% | 1,37% | k. A. |
Dichte (ISO 1183) | 1,23 g/cm³ | 1,23 g/cm³ | 1,27 g/cm³ | 1,27 g/cm³ |
Herstellerdatenblätter Siraya Tech Fibreheart PPA-CF Core und Fibreheart PPA-GF. Achtung Normenmix: Die Zugkennwerte sind nach ASTM D638 geprüft, Biegung und Schlagzähigkeit nach ISO 178 beziehungsweise ISO 179. Ein direkter Vergleich mit Werten nach ISO 527, wie sie andere Filamenthersteller angeben, ist nur eingeschränkt zulässig. „k. A.“ bedeutet, dass der Hersteller den Wert nicht ausweist.
Drei Beobachtungen aus den Daten
1. Im getemperten Zustand ist PPA-CF25 um 70 Prozent steifer und um 29 Prozent fester als PPA-GF15, bei praktisch identischer Schlagzähigkeit (7,3 kJ/m² gegenüber 7,1 kJ/m²). Der Steifigkeitsgewinn geht nicht zulasten der Zähigkeit. Dies ist bei faserverstärkten Werkstoffen nicht immer der Fall.
2. Das Tempern verringert die Zähigkeit. Die Charpy-Schlagzähigkeit beider Werkstoffe sinkt um mehr als 40 Prozent: von 13,1 auf 7,3 kJ/m² bei PPA-CF25 und von 12,2 auf 7,1 kJ/m² bei PPA-GF15. Auch die Bruchdehnung nimmt ab. Wer ein Bauteil benötigt, das Stoßbelastungen ausgesetzt ist, sollte auf das Tempern verzichten auch wenn dies zu einer deutlich niedrigeren Wärmeformbeständigkeitstemperatur führt.
3. Die mechanischen Vorteile des Temperns sind moderat: Die Zugfestigkeit steigt bei PPA-CF25 um 8 % und bei PPA-GF15 um 6 %. Die eigentliche Wirkung des Temperns liegt nicht im mechanischen Bereich, sondern im thermischen Verhalten, siehe nächster Abschnitt.
Thermische Kennwerte: warum Tempern bei PPA nicht optional ist
Kennwert | PPA-CF25 unbehandelt | PPA-CF25 getempert | PPA-GF15 unbehandelt | PPA-GF15 getempert |
|---|---|---|---|---|
HDT Methode B (0,45 MPa) | 97 °C | 199 °C | 84 °C | 185 °C |
HDT Methode A (1,80 MPa) | 84 °C | 126 °C | 80 °C | 112,2 °C |
Vicat-Erweichung (ISO 306) | 238 °C | 238 °C | 235 °C | 235 °C |
Glasübergang Tg (ASTM D3418) | 80 °C | 80 °C | 80 °C | 80 °C |
Schmelzpunkt (ASTM D3418) | 239 °C | 239 °C | 232 °C | 232 °C |
Herstellerdatenblätter Siraya Tech. Die Vicat-Erweichungstemperatur ist ein Eindringversuch mit genormter Nadel und beschreibt nicht die Formstabilität unter Biegelast und darf nicht als Einsatztemperatur gelesen werden. Für die Auslegung ist die HDT bei der tatsächlich anliegenden Last maßgeblich.
Das ist der wichtigste Datenpunkt in dieser Tabelle: Durch die Temperung erhöht sich die Wärmeformbeständigkeitstemperatur (HDT) von PPA-CF25 von 97 °C auf 199 °C und bei PPA-GF15 von 84 °C auf 185 °C. Beide Materialien gewinnen rund 100 Kelvin hinzu.
Thermisch gesehen ist PPA ohne diesen Emissionsprozess kaum besser als hochwertiges PA6-CF. Der volle Vorteil des Materials zeigt sich erst nach der Wärmebehandlung. Ein Dienstleister, der PPA druckt und es ohne diesen Prozess liefert, verkauft Ihnen im Grunde teures Polyamid, ohne zu erklären, warum man sich eigentlich für PPA entschieden hat. Deshalb führen wir diesen Prozess immer durch.
Ebenso wichtig ist der Unterschied zwischen den beiden HDT-Prüfverfahren. Bei einer Prüflast von 0,45 MPa (Verfahren B) erreicht das behandelte PPA-CF25 eine Temperatur von 199 °C. Bei einer Prüflast von 1,80 MPa (Verfahren A) liegt der Wert bei 126 °C. Beide Angaben sind korrekt – sie beziehen sich lediglich auf unterschiedliche Belastungen. Bei der Bauteilauslegung ist es wichtig, den Wert zu wählen, der der tatsächlichen mechanischen Belastung entspricht. Ist in der Materialübersicht nur ein HDT-Wert aufgeführt, handelt es sich fast immer um den höheren.
Richtungsabhängigkeit: Kennwerte in Z
FFF-Bauteile sind anisotrop: Senkrecht zur Schichtebene sorgt allein die Polymermatrix für die Tragfähigkeit, während die Fasern nur innerhalb der Schichtebene wirken. Das Datenblatt für PPA-GF15 gibt die Tragfähigkeit für beide Richtungen an:
Kennwert (unbehandelt) | PPA-GF15 in XY | PPA-GF15 in Z | Verhältnis |
|---|---|---|---|
Zugfestigkeit (ASTM D638) | 89 MPa | 63 MPa | 1,41 : 1 |
E-Modul (ASTM D638) | 5.700 MPa | 4.200 MPa | 1,36 : 1 |
Bruchdehnung (ASTM D638) | 2,70% | 1,85% | 1,46 : 1 |
Das Verhältnis von 1,4:1 ist für ein faserverstärktes FFF-Bauteil außergewöhnlich gut. Typische kurzfaserverstärkte Filamente weisen ein Verhältnis von 3:1 bis 4:1 auf. In der Praxis bedeutet dies, dass PPA-GF15 deutlich toleranter gegenüber einer nicht optimalen Bauteilausrichtung ist – was es zum idealen Material für Bauteile macht, die in mehreren Achsen belastet werden.
Das Datenblatt für PPA-CF25 enthält keine Angaben zu Z-Werten. Die Kern-Mantel-Struktur lässt jedoch auf eine gute Z-Haftung schließen, da in der Verbindungszone faserfreies PPA auf faserfreies PPA trifft. Ohne veröffentlichte Messdaten lassen sich jedoch keine abschließenden Aussagen treffen. Sollte Ihr Bauteil Zugbelastungen senkrecht zur Schichtebene ausgesetzt sein, empfehlen wir PPA-GF15; alternativ können wir die Eignung anhand eines Musters prüfen.
Wann PPA und wann etwas anderes?
PPA ist ein Werkstoff für Dauergebrauchstemperaturen von 120–180 °C. Unterhalb dieses Temperaturbereichs ist er überdimensioniert, oberhalb davon unterdimensioniert. Eine erste Auswahl aus unserem Produktsortiment:
Kriterium | PA12-CF15 | PPA-CF25 / GF15 | PPS-GF20 | PEEK |
|---|---|---|---|---|
Dauergebrauch (Richtwert) | 80–100 °C | 150–180 °C | 200–220 °C | bis 250 °C |
Steifigkeit | mittel | hoch bis sehr hoch | hoch | hoch |
Chemikalien | Öle, Kraftstoffe | Öle, Kraftstoffe, Glykol, keine starken Säuren | sehr breit, auch Säuren | sehr breit |
Wasseraufnahme | gering | gering (1,09–1,37 %) | nahezu null | nahezu null |
Materialkosten | € | €€ | €€€ | €€€€ |
Typischer Einsatz | Vorrichtungen, Gehäuse, Leichtbau | Motorraum, Sensorik, Halterungen | Chemie, Medienkontakt, Verfahrenstechnik | Medizintechnik, Verschleißteile, Dauereinsatz heiß |
Anwendungen in Automotive und Motorsport
PPA ist in der Automobilindustrie kein neues Material. Thermostatgehäuse, Ladeluftrohre, Kühlmittelkomponenten und Steckverbinder werden bereits seit Jahren im Spritzgussverfahren aus PPA hergestellt. Genau hier liegt der Reiz des 3D-Drucks: Man kann Prototypen aus dem späteren Serienmaterial fertigen, anstatt die Materialwahl erst auf die Werkzeugphase zu verschieben.
• Halterungen und Distanzstücke im Motorraum aus PPA-CF25 für maximale Steifigkeit
• Luft- und Kühlluftkanäle
• Sensor- und Anschlussgehäuse aus PPA-GF15, wenn elektrische Isolierung erforderlich ist
• Montage- und Prüfvorrichtungen für den Einsatz in warmen Umgebungen
• Funktionsprototypen für Bauteile, die später als PPA-Spritzgussteile in Serie gehen
• Kleinserienfertigung im Motorsport, wo sich die Werkzeugkosten oft nicht amortisieren
Hinweis: Ein gedrucktes PPA-Bauteil erreicht nicht dieselben Leistungseigenschaften wie ein gleichnamiges Spritzgussteil, insbesondere in Z-Richtung. Für Prototypen, Vorrichtungen und Kleinserien ist dies unkritisch; bei sicherheitsrelevanten Bauteilen sind jedoch Bauteilprüfungen unerlässlich.
Anwendungen in Elektronik und Elektrotechnik
• Gehäuse für Anschlüsse, Klemmenblöcke und Sensoren aus PPA-GF15 (isolierend, auf Anfrage auch in Weiß erhältlich)
• Isolierteile und Abstandshalter für thermisch belastete Umgebungen
• ESD-relevante Halterungen, Sockel und Werkstückaufnahmen aus PPA-CF25
• Prüf- und Montagevorrichtungen für Elektronikbaugruppen
• Gehäuse für die Leistungselektronik bei hohen Betriebstemperaturen
Hinweis zum Reflow-Löten: Spritzgegossenes PPA wird in der Elektronik unter anderem deshalb eingesetzt, weil es beständig gegen bleifreie Nachlötprozesse mit Spitzentemperaturen von ca. 260 °C ist. Dies lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres auf gedruckte PPA-Bauteile übertragen. Getempertes PPA-CF25 erreicht eine Temperaturbeständigkeit von 199 °C bei einem Druck von 0,45 MPa und 126 °C bei 1,80 MPa; PPA-GF15 erreicht entsprechende Werte von 185 °C bzw. 112 °C. Die Vicat-Erweichungstemperatur von 235–238 °C steht dem nicht entgegen, sie beschreibt ein anderes Prüfverfahren und nicht die Formstabilität unter Last. Sollte Ihr Bauteil einen Lötprozess durchlaufen, klären wir dies vorab anhand eines spezifischen Temperaturprofils und gegebenenfalls eines Musterteils. Wir geben hierzu keine pauschalen Zusagen.
Grenzen von PPA
• Ungetempertes PPA weist schlechte thermische Eigenschaften auf: 97 °C bei PPA-CF25 und 84 °C bei PPA-GF15. Das Tempern ist ein wesentlicher Bestandteil der Materialeigenschaften und nicht nur eine Frage der Optik.
• Tempern verringert die Zähigkeit: Die Charpy-Schlagzähigkeit sinkt um mehr als 40 Prozent, und auch die Bruchdehnung nimmt ab. Bei stoßbelasteten Bauteilen ist dies ein wichtiger Aspekt, den wir mit Ihnen besprechen werden.
• Anisotropie: PPA-GF15 weist ein XY-Z-Verhältnis von 1,4:1 auf, ein guter Wert, aber nicht ideal (keine Isotropie). Für PPA-CF25 liegen keine veröffentlichten Z-Werte vor. Zugbelastungen senkrecht zur Schichtebene sind für das FFF-Verfahren im Allgemeinen ungeeignet.
• Keine Flammwidrigkeit: Keines der beiden Compounds ist nach UL 94 zertifiziert.
• Keine Biokompatibilität: Im Datenblatt zu PPA-CF25 wird ausdrücklich „nicht zertifiziert“ angegeben. Unsere PEEK- und PEKK-Materialien eignen sich hingegen für Anwendungen in der Medizintechnik.
• Nicht UV-beständig: Wie alle Polyamide vergilbt PPA bei längerer UV-Einstrahlung und wird spröde. Für den Außeneinsatz ist eine Beschichtung oder die Verwendung eines anderen Materials, wie etwa ASA, erforderlich.
• Eingeschränkte Chemikalienbeständigkeit: Beständig gegen Öle, Kraftstoffe, Fette und Glykole, jedoch nicht gegen starke Säuren und Laugen. Bei Kontakt mit kritischen Medien ist PPS-GF20 die bessere Wahl.
• Restfeuchteaufnahme: Deutlich geringer als bei PA6, aber nicht null – 1,09 Prozent bei PPA-CF25 und 1,37 Prozent bei PPA-GF15.
Häufige Fragen zum PPA-CF und PPA-GF
Was ist der Unterschied zwischen PPA-CF25 und PPA-GF15?
Die Polymermatrix ist bei beiden identisch, doch unterscheiden sie sich hinsichtlich Fasertyp und -gehalt. PPA-CF25 mit 25 % Kohlenstofffaseranteil erreicht einen Elastizitätsmodul von 10.220 MPa, eine Zugfestigkeit von 121 MPa und eine Hochtemperaturfestigkeit (HT) von 199 °C – es ist damit etwa 70 % steifer als PPA-GF15. PPA-GF15 mit 15 % Glasfaseranteil erzielt einen Elastizitätsmodul von 6.000 MPa, eine Zugfestigkeit von 94 MPa und eine Hochtemperaturfestigkeit von 185 °C; es ist jedoch elektrisch isolierend, in Weiß erhältlich und weist eine deutlich höhere Formstabilität auf. Die Schlagzähigkeit ist in beiden getemperten Zuständen praktisch identisch.
Warum müssen PPA-Bauteile getempert werden?
Ohne Tempern geht der gesamte Temperaturvorteil des Materials verloren. Die Wärmeformbeständigkeitstemperatur bei 0,45 MPa steigt durch das Tempern von 97 °C auf 199 °C bei PPA-CF25 und von 84 °C auf 185 °C bei PPA-GF15 jeweils um rund 100 Kelvin. Ungetempertes PPA ist thermisch kaum leistungsfähiger als hochwertiges PA6-CF. Daher gehört bei uns das Tempern mit langsamer Abkühlung im Umluftofen zum Standard, da eine zu schnelle Abkühlung zu Eigenspannungen führt.
Hat die Temperung von PPA auch Nachteile?
Ja. Die Charpy-Schlagzähigkeit verringert sich bei beiden Werkstoffen um mehr als 40 Prozent: von 13,1 kJ/m² auf 7,3 kJ/m² bei PPA-CF25 und von 12,2 kJ/m² auf 7,1 kJ/m² bei PPA-GF15. Auch die Bruchdehnung nimmt ab. Bei Bauteilen, die einer Schlagbeanspruchung ausgesetzt sind, kann es vorteilhaft sein, auf das Tempern zu verzichten – allerdings bei deutlich niedrigerer Einsatztemperatur. Wir werden dies anhand eines konkreten Bauteils näher erläutern.
Bis zu welcher Temperatur ist PPA einsetzbar?
Dies hängt von der mechanischen Belastung ab. Beschichtetes PPA-CF25 erreicht bei einer Prüflast von 0,45 MPa (HDT-Verfahren B) 199 °C, bei einer Prüflast von 1,80 MPa (Verfahren A) jedoch nur 126 °C. PPA-GF15 erreicht entsprechende Temperaturen von 185 °C bzw. 112 °C. Als Richtwert für die Dauergebrauchstemperatur gelten 150–180 °C. Die häufig genannte Vicat-Temperatur von 235–238 °C bezieht sich auf die Nadeleindringprüfung und entspricht nicht der Gebrauchstemperatur.
Ist PPA dasselbe wie PAHT oder HTN?
Ja. PPA (Polyphthalamid), PAHT (Hochtemperatur-Polyamid) und HTN (Hochtemperatur-Nylon) bezeichnen dieselbe Familie teilaromatischer Polyamide. In technischen Zeichnungen tauchen sie häufig als PA6T/66 oder PA6T/6I auf, im Spritzguss unter Handelsnamen wie Amodel, Grivory HT, Ultramid Advanced oder Zytel HTN.
Ist PPA-CF25 elektrisch isolierend?
Nein. Kohlefaserverstärkte Compounds sind leitfähig und eignen sich nicht als Isolatoren. Für Isolationsanwendungen ist PPA-GF15 die richtige Wahl. Im Gegensatz dazu ist die Leitfähigkeit von PPA-CF25 bei ESD-Ausrüstung und Werkstückaufnahmen von Vorteil.
Wann lohnt sich PPA statt PA12-CF oder PC-CF?
PA12-CF ist nicht mehr geeignet, sobald die Betriebstemperatur dauerhaft über ca. 100 °C liegt oder das Bauteil in feuchter Umgebung maßhaltig bleiben muss. Oberhalb dieser Temperatur verliert PA12-CF rasch an Steifigkeit; zudem nehmen herkömmliche Polyamide so viel Wasser auf, dass sich ihre Abmessungen und Steifigkeit erheblich verändern. Unterhalb von 100 °C ist PPA überdimensioniert und unnötig teuer.
Wann reicht PPA nicht mehr und es muss PPS oder PEEK sein?
Für Dauertemperaturen von über ca. 180 °C, bei Kontakt mit starken Säuren oder Laugen, wenn Biokompatibilität gefordert ist oder wenn eine sehr geringe Kriechneigung unter dauerhafter thermischer Belastung erforderlich ist, stellt PPS-GF20 den nächsten Schritt dar, gefolgt von PEEK. Dieser Schritt ist jedoch mit deutlich höheren Kosten verbunden: PEEK-Filament kostet 500 bis 700 Euro pro Kilogramm.
PPA-Bauteil anfragen
Suchen Sie ein Bauteil, das dauerhaft Temperaturen von bis zu 180 °C, dem Kontakt mit Öl und Kraftstoff oder hohen mechanischen Belastungen standhält – und das alles zu einem Bruchteil der Kosten von PEEK? Schicken Sie Ihre 3D-Datei und Anforderungen an info@malping.de. Wir melden uns innerhalb von einem Werktagen bei Ihnen.
Malping GmbH
Mörikestraße 29
(Produktion: Mörikestraße 30)
D-73765 Neuhausen auf den Fildern
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Über den Autor
Dr.-Ing. Bastian Gaedike
Gründer und Geschäftsführer der Malping GmbH, Neuhausen auf den Fildern.
Malping fertigt Bauteile aus Hochleistungspolymeren im FFF- und FGF-Verfahren, darunter PEEK, PEKK, ULTEM 9085, PPS-GF20, PPA-CF25 und PPA-GF15, inklusiver aller nachgelagerter Prozesse (Zerspanung, Oberflächenbehandlung, etc.).
Kontakt: info@malping.de
